Leseprobe · 3 Kapitel · Kostenlos

Reinlesen.

Vorwort · Kapitel 02 · Kapitel 06. Kein Anmelden. Kein Gate. Einfach lesen.

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Vorwort
Wie dieses Buch entstanden ist
Real Talk.

Die Gründe dafür – sie sind wie bei vielen sehr facettenreich. Darum soll es in diesem Buch auch überhaupt nicht gehen. Hier geht es nicht um mich. Hier geht es um dich. Wenn du es denn willst.

Dass wir gerade miteinander reden – du mit diesem Buch in der Hand, ich mit diesen Worten auf dem Papier – das ist die Summe aller Entscheidungen, die du und ich bisher in unserem Leben getroffen haben. Jede einzelne davon.

Auch wenn es in diesem Buch nicht um mich gehen soll, möchte ich dir gern davon berichten, wie ich in den letzten Jahren zurück zu meiner Mainquest gefunden habe. Zurück zu mir:

Ich erinnere mich an einen Abend in der Klinik. Qualifizierte Entgiftung – das war noch vor der ersten Langzeittherapie, die nahtlos folgen sollte – erste Woche. Fog of War, wohin man schaut. Angst. Ungewissheit. Scham. Und gleichzeitig – und das hätte ich vorher nie gedacht – die loyalsten, echtesten Menschen die ich je kennengelernt habe. Menschen mit denen man auf der Straße vermutlich nie geredet hätte. Aber alle lieb. Alle echt. Weil sie wissen wie es sich anfühlt.

An einem dieser Abende lag ich auf meinem Bett. Stöberte bei YouTube. Und stieß auf Thorsten Sträter. Bis dahin war er mir nie groß in Erscheinung getreten. Ich hörte. Ich lachte. Dann fand ich seine Hörbücher bei Audible. „Russisch Lourette". Uwe. MauMau. Ein Hotelzimmer. Und irgendwann – an der Stelle mit dem Fäkalgötzen – hat es mich gekillt. Tränen gelacht. Richtig. Und ich konnte nicht mehr aufhören.

Der Fäkalgötze hat übrigens nichts mit dem Titel dieses Buches zu tun. Aber dir ist hier und da schon das Wort Scheiße untergekommen. Und wir sind noch im Vorwort. Gewöhn dich dran. 😉

Das war der Respawn. Nicht allein Therapie. Nicht allein Gespräche. Es ist eher ein Mosaik aus Puzzleteilen, die zusammen ein Bild ergeben. Dieses Buch ist eines dieser Puzzleteile.

Thorsten – solltest du das hier jemals lesen: Danke. Von ganzem Herzen. Niemand weiß, welchen Queststrang ich anderenfalls eingeschlagen hätte.

Das ist der Butterfly-Effekt. Du machst als Komiker ein Programm um die Leute zu amüsieren – und manchmal machst du mehr als das. Ohne es zu wissen.

Jeder von uns ist irgendwann für jemand anderen ein Thorsten Sträter. Ohne es zu wissen. Ein Satz. Ein Lachen. Eine Geste. Ein Buch.

Noch was zu mir. Ich hab eine freche Klappe. Beruflich wie privat. Ich finde das legitim – solange man liefert. Und ich liefere.

Mein LinkedIn-Profilfoto: buntes Hemd, pinke Shorts, Flip Flops – neben einem Ortsschild das Macher sagt. Vernetzt mit Kunden, Mitarbeitern, allen. Keine Scheu. Keine Scham.

Nicht weil ich besonders bin. Sondern weil ich aufgehört habe so zu tun als wäre ich jemand anderes.

Das war übrigens auch nicht immer so. Kapitel 01 erklärt warum.

Was dieses Buch ist – und was nicht

Ich bin selbst durch meine eigene Hölle gegangen. Jeder hat seine eigene Hölle. Jeder empfindet Situationen und Lebensphasen anders und bewertet sie unterschiedlich. „Jeder hat sein Kreuz zu tragen" – der Volksmund sagt es seit Generationen, sicher nicht grundlos. Ich hab zumindest in meiner Hölle am verpimmelten Amboss meiner Dämonen ein Werkzeug geschmiedet – und ein Ergebnis dieses Werkzeuges hältst du nun in den Händen.

+40 XP. gz Bro.

Dieses Buch nutzt die Sprache von Videospielen. Nicht als Gimmick – sondern weil diese Sprache Dinge präzise beschreibt für die Self-Help-Bücher oft zu abstrakt oder zu moralisierend sind. Debuffs. XP. Mainquest. Gilde. Respawn. Wenn du jemals einen Controller in der Hand hattest, wirst du verstehen worum es geht. Und wenn nicht – wirst du es trotzdem verstehen.

Wer dieses Buch liest, ist danach genau so schlau wie vorher – oder genau so dumm. Es macht keinen Unterschied. Den Unterschied machst nur du. Mit dem was du daraus machst.

"Dieses Buch ist ein Item. Nimm was passt. Lass den Rest stehen. Und dann: mach was draus."

Alright. Stay a while and listen. Datt wird jovel. 🎮

Sollte dich das Vorwort gerade getriggert haben – sollte irgendwas in dir gerade laut werden – dann geh direkt auf Seite 69. Kein Witz. Seite 69. Dort findest du ein paar Skills um dich auf neue Gedanken zu bringen. Die Seite ist extra dafür da. Und ja, die Zahl ist mit Absicht so gewählt. Das Leben ist ernst genug.

★ +40 XP — Vorwort abgeschlossen
💀
Kapitel 02
Debuffs
Die konditionierte Bürde der Erfahrung.
🎮 Im Spiel

Du kennst das. Dein Charakter kämpft sich durch einen Dungeon. Läuft gut. Und dann – ohne große Vorwarnung – läuft er plötzlich langsamer. Trifft weniger hart. Regeneriert kaum noch. Du schaust auf den Status-Screen und siehst es: ein kleines Symbol, rot oder lila umrandet. Ein Debuff.

Das Tückische an Debuffs: Sie wirken passiv. Im Hintergrund. Du musst nichts falsch machen damit sie dich beeinflussen – sie sind einfach da. Und wenn du nicht auf den Status-Screen schaust merkst du vielleicht gar nicht warum alles gerade etwas schwerer geht als sonst.

Manche Debuffs sind offensichtlich. „Gift" zum Beispiel – du siehst die grüne Wolke, du spürst den Schaden, du greifst sofort zum Gegenmittel. Andere sind subtiler. „Erschöpfung". „Zweifel". „Angst". Die zeigen sich nicht spektakulär – die schleifen dich einfach langsam runter.

"Du sitzt am Controller und denkst: Was zur Hölle? Ich hab das nicht gedrückt. Das ist Headshit. Nicht dein Versagen. Das System. Der Debuff hat den Controller übernommen."
🌍 Im echten Leben

Im echten Leben heißen Debuffs anders. Konditioniertes Verhalten. Glaubenssätze. Angstmuster. Traumareaktionen. Oder – wie ich es gerne nenne: Die konditionierte Bürde der Erfahrung.

Erfahrungen schreiben sich ins System. Das ist zunächst nichts Schlechtes – das ist wie Menschen lernen. Du fasst einmal auf eine heiße Herdplatte. Nie wieder. Das System hat gelernt: heiß gleich Schmerz gleich Finger weg. Nützlicher Debuff, könnte man sagen.

Das Problem entsteht wenn das System Dinge lernt die damals Sinn ergeben haben – aber heute nicht mehr stimmen. Wenn eine Schutzreaktion aus der Kindheit im Erwachsenenleben weiterläuft als wäre nichts gewesen.

Drei Debuffs. Drei Leben.

Jemand wird als Kind regelmäßig kritisiert. Nicht bösartig – einfach so. Das System lernt: Was ich tue ist nie gut genug. Debuff aktiv: Perfektionismus. Passiver Effekt: Diese Person als Erwachsene prüft E-Mails fünfmal bevor sie auf Senden drückt. Gibt Projekte nicht ab weil sie „noch nicht fertig" sind. Der Debuff läuft. Seit Jahrzehnten. Im Hintergrund.

Jemand anderes wächst in einem Umfeld auf wo Konflikte immer eskalieren. Das System lernt: Konflikt gleich Gefahr. Debuff aktiv: Konfliktvermeidung. Diese Person als Erwachsene schluckt Dinge runter die sie belasten. Sagt Ja wenn sie Nein meint. Lässt sich überrollen weil der Debuff flüstert: Wenn du widersprichst wird es schlimm. Obwohl es das längst nicht mehr würde.

Und noch jemand. Wächst auf mit dem Gefühl: Ich bin zu viel. Irgendwann hört diese Person auf zu viel zu sein – indem sie einfach weniger wird. Debuff aktiv: Selbstverkleinerung. Diese Person betritt Räume und entschuldigt sich fürs Dasein. Hat Ideen und sagt sie nicht.

Hattest du bei einem der Beispiele jemanden vor Augen? Vielleicht sogar dich selbst?

Muster erkennen

Debuffs haben ein gemeinsames Merkmal: Ihre Eltern sind Geschwister. Sie sind Muster. Und Muster wiederholen sich.

Du hast dich schon mal gefragt: Warum passiert mir das immer wieder? Warum lande ich immer wieder in denselben Situationen? Weil ein Muster so lange wiederholt wird bis es unterbrochen wird. Das System kennt diesen Weg. Der Weg ist ausgetreten. Bequem. Sogar wenn er schmerzhaft ist – er ist bekannt. Und das Bekannte fühlt sich sicherer an als das Unbekannte. Immer.

"Sicher ist nicht dasselbe wie gut. Und bekannt ist nicht dasselbe wie richtig."
🔍 Wer steuert gerade?

Das ist die eigentlich wichtige Frage. Nicht: Warum bin ich so? Sondern: Wer steuert gerade?

Du reagierst auf eine Situation. Wut. Angst. Rückzug. Überreaktion. Starre. Und irgendwo in dir ist ein leises Gefühl: Das war nicht ich. Das kam von irgendwo anders.

Das war der Debuff. Nicht du. Der Debuff. Der hat gerade den Controller übernommen.

Das zu erkennen ist keine Schwäche. Das ist der erste Schritt um den Controller zurückzubekommen.

📝 Reflexion
Gibt es eine Reaktion in dir die sich manchmal automatisch anfühlt – die kommt bevor du nachdenken konntest? Beschreib die Situation. Und die Reaktion.
+ 3 weitere Fragen im Buch · 5 XP pro Wort
★ +50 XP — Kapitel 02 abgeschlossen
⚙️
Kapitel 06
Der Algorithmus
Drei Fragen. Ein Werkzeug. Keine Ausrede.
🎮 Im Spiel

Jedes gute Spiel hat einen Moment wo du nicht weißt was du tun sollst. Du stehst vor einer Entscheidung. Links oder rechts. Angreifen oder fliehen. Sprechen oder schweigen.

Gute Spieler haben eine Methode. Nicht immer bewusst. Aber sie fragen sich – instinktiv oder explizit – drei Dinge:

Was ist das Schlimmste das passieren kann?
Kann ich damit leben?
Was brauche ich – und was kann ich selbst dazu beitragen?

Das ist kein Zaubertrick. Das ist ein Algorithmus. Ein Programmablaufplan. Ein Decision-Tree für das echte Leben.

⚙️ Der Algorithmus – im Detail

Frage 1: Was ist das Schlimmste das passieren kann?
Das ist keine Einladung zum Katastrophendenken. Es ist das Gegenteil. Indem du das Worst-Case-Szenario bewusst und konkret benennst nimmst du ihm die Macht. Angst lebt im Nebel. Im Ungefähren. Sobald du das Schlimmste klar vor dir siehst – ist es kein Nebel mehr. Es ist ein Gegner. Und Gegner kann man beurteilen.

Frage 2: Kann ich damit leben?
Wenn ja – handeln. Sofort. Keine weitere Analyse. Kein weiteres Zögern. Der einzige Grund der noch übrig ist heißt Angst. Und Angst ist kein Argument.

Frage 3: Welche Bedingungen brauche ich – und was kann ich selbst dazu beitragen?
Du wirst nicht alles kontrollieren können. Aber irgendetwas kannst du immer selbst beitragen. Immer. Und das Irgendetwas ist der erste Schritt.

🎯 Sechs echte Situationen aus meinem Leben – ein Algorithmus

Das alkoholfreie Bier. „Ich hab es jetzt so lange ohne Alkohol geschafft – ein alkoholfreies wird mir nicht schaden." Am Arsch die Locken. Was ist das Schlimmste? Aus einem werden zwei. Dann drei. Dann gibt es richtiges Bier. Ich glaube einen weiteren Rückfall hätte ich nicht überlebt. Kann ich damit leben? Nein. Kein alkoholfreies. Kein „nur eines". Nicht weil ich schwach bin. Sondern weil ich den Algorithmus kenne.

Die zweite Ausbildung. Was ist das Schlimmste? Ich scheitere. Die anderen in meinem Kurs sind zehn Jahre jünger. Kann ich damit leben? Ja. Weil die Alternative – nichts tun, im alten Muster bleiben – sich schlimmer anfühlte. Ergebnis: Ausbildung gemacht. Abgeschlossen. Neuer Job. Neues Leben.

Dieses Buch. Was ist das Schlimmste? Menschen die ich kenne lesen es. Menschen urteilen. Und vielleicht: Es interessiert niemanden. Kann ich damit leben? Ja. Weil ich mittlerweile weiß: Was andere über mich denken ist deren Mainquest. Nicht meine. Das Ergebnis dieses Algorithmus hältst du gerade in den Händen.

Die Vaterrolle. Kann ich mit meinen Debuffs ein guter Vater für meine Tochter sein? Was ist das Schlimmste? Dass ich sie enttäusche. Kann ich damit leben? Nein – das war der Moment für Frage drei. Was brauche ich? Präsenz wenn ich da bin. Arbeit an mir selbst. Nicht für sie – für mich. Weil ein Vater der an sich arbeitet ihr mehr gibt als einer der sich aufopfert aber innerlich leer ist. Sie weiß nicht dass sie mein Anker ist. Vielleicht liest sie das irgendwann.

Der Postbote. Ist es wirklich eine gute Idee dem Postboten auf die Fresse zu hauen? Was ist das Schlimmste? Knast. Vorstrafe. Erklärungsgespräch mit meiner Tochter warum Papa gerade nicht nach Hause kommen kann. Kann ich damit leben? Nein. Ich hab die Klingel abgestellt. Feddich. 😄

Manchmal ist der Algorithmus kein Drama. Manchmal ist er: Klingel abstellen. Problem gelöst. Nächste Quest.

"Der Algorithmus funktioniert auch rückwärts. Manchmal ist die Angst vor der Frage die wichtigste Antwort."
🛠️ Der Algorithmus als aktiver Skill

In Kapitel 02 haben wir über Debuffs gesprochen. Passive Effekte die im Hintergrund laufen. Der Algorithmus ist das Gegenteil. Er ist ein aktiver Skill. Du musst ihn bewusst einsetzen. Aber je öfter du ihn einsetzt – desto schneller wird er. Desto natürlicher. Irgendwann fragst du dich die drei Fragen ohne es zu merken.

Und dann passiert etwas Interessantes: Situationen die früher Angst ausgelöst haben fühlen sich kleiner an. Nicht weil sie kleiner geworden sind. Sondern weil du größer geworden bist.

📝 Reflexion
Nimm eine Situation aus deinem Leben die dich gerade beschäftigt. Etwas das du vor dir herschiebst. Führe den Algorithmus durch:

Was ist das Schlimmste das passieren kann?
+ Frage 2 und 3 im Buch · 150 XP wenn du die Aufgabe durchziehst
★ +150 XP — Kapitel 06 abgeschlossen

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